6. & 7.Workshoptag

Donnerstag 1. Oktober- Freitag 2. Oktober
Der Tag der Präsentationen

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10:00 Uhr Endspurt
Der Herbst hat sich in der Halle breit gemacht, Kapuzenpullover, Mützen und Schals haben Hochkonjunktur. Das Arbeitsfrühstück fällt heute aus. Geredet wird später, jetzt wird erst einmal angepackt. Die Studierenden haben sich vorgenommen, die Halle bis 13 Uhr „präsentabel“ zu machen. Nur die Gruppe, die später im meetingpoint vortragen wird, sitzt noch konspirativ in der Ecke. Die Arbeitstische werden frei geräumt, ein Student fegt den Hallenboden – freiwillig! Die einzelnen Stellwände erhalten große, gut lesbare Überschriften, je nach Thema oder Ortsbezug. Auf dem Boden, beginnend am Halleneingang, entstehen Markierungen aus Gaffa- und Kreppklebeband, die das Zurechtfinden entlang der Wände erleichtern sollen.

13:00 Uhr Präsentation, Teil 1
Die angenehm chaotische Workshopatmosphäre ist gewichen, die Halle ist jetzt ein reiner Ausstellungsraum. Ein letztes Mal gibt es Suppe, ein paar Ehrenfelder sind vor Ort, von den Diskutanten nachher im meetingpoint sind Stefan Rettich (KARO Architekten) und Stefan Hilterhaus (PACT Zollverein) zugegen. Die Besucher werden von Wand zu Wand geführt, danach tauscht man sich im großen Kreis stehend aus.
Schon kurz nach drei. Die Zeit rennt, der Tross setzt sich in Richtung meetingpoint in Bewegung.
->Abschlusspräsentation.pdf

16:00 Uhr Präsentation, Teil 2
Mit etwas Verspätung geht die Abschlusspräsentation im meetingpoint der plan09, die Aula der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM), los. Im Foyer der Aula werden noch zwei Teilwände mit Ergebnissen stellvertretend für das über die Woche entstandene Stellwandsystem aufgebaut, der Film „O-Ton Ehrenfeld“ der Regiestudentinnen auf sie projiziert.
Der Raum ist gut gefüllt. Frauke Burgdorff und Andreas Fritzen sind die Moderatoren des Nachmittags. Die Veranstaltung beginnt mit einer rund zehnminütigen filmischen Workshopdokumentation von Erim Giresunlu. Anschließend stellen Sven Lohmeyer (HCU Hamburg) und Björn Anders (TU Dortmund) die Ergebnisse und Erkenntnisse der Studierenden vor. Sie sprechen vor allem über ihren Versuch und die Schwierigkeiten, die Open Source Methode auf die Stadtplanung anzuwenden. Einige zentrale Fragen sind während des Workshops offen geblieben, diese werden umgehend an die Diskussionsrunde weitergegeben. Die Gäste, Annett Zinsmeister (Kunstakademie Stuttgart), Stefan Hilterhaus, Markus Neppl (Universität Karlsruhe), Stefan Rettich und Bernd Streitberger (Stadt Köln), nehmen auf dem Podium Platz. Frau Burgdorff und Herr Fritzen stellen abwechselnd, einem Ping-Pong-Spiel gleich, die Fragen.

Eingangsfrage: „Haben Sie in Ihrer beruflichen Praxis schon Erfahrungen mit Open Source gesammelt?“ Die Antworten fallen erwartungsgemäß sehr verschieden aus, was nicht zuletzt daran liegt, das auch die Diskutanten Open Source Planning unterschiedlich definieren. Herr Streitberger gibt zu, dass Open Source in seiner Arbeit bisher keine Rolle spielte. Während der Diskussion macht er deutlich, dass er sich ein solches Instrument in Orten wie Ehrenfeld – „das schnellste was wir [in Köln] haben“ – vorstellen kann. Frau Zinsmeister warnt vor modischen Etiketten wie „Open Source Planning“, die sich bei genauer Betrachtung womöglich als bereits Jahrzehnte alte Partizipationsmodelle herausstellen. Für Herrn Hilterhaus bedeutet Open Source Netzwerkbildung und "die Bereitschaft, andere Wissensbereiche ernst zu nehmen". Dies ist dann zwangsläufig mit einem Wertgewinn verbunden. Herr Rettich nennt eine Grundvoraussetzung für die Anwendung von Open Source Planning: das Versagen formeller Planung, das besonders in den Megalopolen der Entwicklungsländer und in schrumpfenden Städten deutlich wird. Er führt das Beispiel der Wächterhäuser in Leipzig als Open-Source-ähnlichen Umgang mit Schrumpfung an. Herr Neppl hält die Übertragung von Begriffen aus der Softwareentwicklung auf die Stadtplanung für problematisch. Zudem gibt er zu Bedenken, dass Open Source Communities wie eigene Welten funktionieren, die eben nicht mehr offen für Außenstehende sind; eine Gefahr, die letztlich wieder zur Manifestierung von Experten- auf der einen und Laienwissen auf der anderen Seite führt.

Kontrovers wird die Frage nach der Bedeutung der Urheberschaft in den Entwurfsdisziplinen diskutiert. Identifikation mit der eigenen Arbeit sei in der gestalterischen Praxis in Kunst und Architektur notwendig (Zinsmeister). Über Open Source können Informationsebenen geschaffen und betrieben werden, sobald es um das Entwerfen geht, sind die Techniken und Methoden von Experten unentbehrlich (Zinsmeister). Die Vorstellung, in ein Projekt „mal nur drei Ideen einzubringen“, reize ihn, so Herr Hilterhaus. Die Architektenausbildung müsse sich ändern: „Architekten bauen für die Gesellschaft, nicht für sich selbst“ (Neppl). Aus dem Publikum kommt die Anmerkung, dass im Städtebau, anders als in der Architektur, die Urheberschaft schon seit Jahren im Grunde keine zentrale Rolle mehr spielt.

Gleich ist es 18:00 Uhr, das Publikum wird in die Diskussion mit einbezogen. Ulrich Königs kommt nach dem Besuch des Workshops am Mittwoch und der heutigen Abschlussveranstaltung zu der Erkenntnis, dass die Knackpunkte bei Open Source Anwendungen in der Stadtplanung der Anfang und das Ende eines Prozesses sind; die große Chance des Instruments liegt dazwischen. Alle sind sich einig, dass Open Source Planning nur ein Tool im Werkzeugkasten der Stadtentwicklung sein kann. Herr Hilterhaus unterstreicht abschließend nochmals die seiner Meinung nach „enorme Kraft“ von Open Source und empfiehlt ein reales Beispiel auf realem Boden zu initiieren und durchzuführen.

Die Botschaft an die Workshopteilnehmer und Workshopveranstalter lautet: Weitermachen!