2. Workshoptag

Sonntag, 27. September
What the heck is Open Source?

Video erim-giresunlu.de | musik: ogmusik.com

10:00
Atmosphäre

Vollzählig zum ersten Arbeitsfrühstück. Ab jetzt werden wir uns jeden Morgen der nächsten fünf Tage um 10 Uhr zum Frühstück treffen - vermutlich hauptsächlich die studentischen Teilnehmer - und über den Tag sprechen. Kaffeeklapper. Gesprächsfetzen. Eindrücke des gestrigen Tages mischen sich mit Aufforderungen den Kaffee zu holen.

Aktion
Diskussion über die Eindrücke von gestern: Eine hohe Dosis Ehrenfeld. Es ist zwar noch unverbundenes Wissen, welches die drei Führungen von Boris Sievert, Jochen Scharf und Reiner Kremer vermittelt haben und die Geschichten des Abends davor, aber es schält sich ein Bild von Ehrenfeld heraus.
Ein Stadtteil der Widersprüche und Kontraste aufnehmen kann. Der viel zulässt und überall etwas anderes zulässt. Ein heterogenes Areal, welches hoffentlich schon gut zu Open Source passt.
Große Diskussion, was Open Source aber für unseren Workshop heißt.
Die Wand der Ideen und Beschreibungen unwidersprochen. Nochmaliges Erklären der Methode: Jede Idee oder Beschreibung kann auf einem A3-Blatt festgehalten werden (als Zeichnung, Text, Skizze, Fotografie, Modell oder Verweis auf solches als Datei auf dem Server), wird mit einer eindeutigen Nummer versehen und mit Titel, Verfasser und Referenzen beschriftet. Sobald der Gedanke an der Wand hängt wird er zum gemeinsamen Gut aller. Er darf kopiert, verändert und verwendet werden.
Was Open Source sonst noch kann…?? Warten auf den Vortrag von Prof. Hrachovec.

12:00 Uhr
Atmosphäre

Der Himmel ist blau, im Innenhof des Meetingpoint der KHM Köln steht ein Mikrofon bereit. Stühle werden aus der dunklen Aula geholt. Jeder Teilnehmer bringt zwei Stühle mit. Platz für alle und es funktioniert sogar mit dem Zurückräumen der Stühle nach dem Vortrag!
Gäste blinzeln durch Sonnenbrillen auf den Hochschullehrer und Philosophen, der als Philosoph und Linuxnutzer angekündigt wird.

Aktion
„Sokrates als Stadtplaner? Schwierigkeiten mit Open Source.“ – Das fängt gut an. Ein Dialog aus dem antiken Athen in dem die Notwendigkeit von Beratern und Consultants für die Urform unserer politischen Ordnung, der Demokratie, verhandelt wird.
Der athenische Stadtstaat als Ausgangspunkt der europäischen Stadt- und Gesellschaftsidee ist notwendig geworden um ein neues Verständnis von Gerechtigkeit aufzunehmen: Über Gerechtigkeit kann entschieden werden durch Abstimmung. Die grundlegende Annahme dazu ist: „diese [alle stimmberechtigten] Personen wissen über die wesentlichen Zusammenhänge der Welt Bescheid und sind in der Lage, dieses Wissen zum Wohl der Bevölkerung umzusetzen.“
Die Frage: Wenn das Volk mündig ist, über das Gemeinwohl zu entscheiden, wie kann es dann sein, dass eine Beratung, eine Ausbildung zur Rhetorik notwendig sein kann um dieses Recht auszuüben? Redekunst also Expertise übertrumpft, weil die Sachlage im Plenum verhandelt wird. Der platonische Ausweg: Einteilung der Bevölkerung in Gruppen von Experten, die in definierten Sachfragen entscheiden. Wir sind schon am Kern: Wie verhält sich Expertentum zum Anwender? Welche Fähigkeiten die zur politischen Teilhabe notwendig sind, dürfen käuflich sein? Welche Informationen müssen Gemeingut bleiben? Herbert Hrachovec startet in die philosphische Grundsteinlegung des Open Source Prinzips.Vortrag.
Die Diskussion dreht sich später um drei Themen: Expertenperspektiven vs. Befähigung, Ethik und Moral vs. Effizienz und pragmatische Durchführung, Beschreibungen als produktive Leistung in Open Source Prozessen.

15:00 Uhr
Atmosphäre

Es herrscht eine dem Morgen ähnliche Atmosphäre. Ruhige Gespanntheit, Gesprächsfetzen, Kaffeetassen. Über allem liegt aber ein Zug von Nervosität.
Was ist Open Source?

Aktion
Diskussion über Open Source als Methode.
Auf welcher Ebene ist Open Source im Workshop „Open Source Planning“ angesiedelt? Als Arbeitsebene zur gemeinsamen Entwicklung von Ideen in einem Expertenumfeld? Als Instrument der Beteiligung und Anschlussfähigkeit mit einem externen Umfeld (hier: Ehrenfeld)? Oder als Meta-Instrument zur Reflektion über das Instrument Open Source Planning?
Verwenden oder entwickeln wir Open Source Strategien? Meistens tut man beides gleichzeitig.
Diskussion über Open Source als Metapher.
Als Metapher für das Überlassen von Ideen und Ideenbestandteilen in einem komplexen Akteursumfeld wie einem Quartier erregt Open Source viel positive Aufmerksamkeit. Aber welcher Teil dieses Bildes hilft weiter und welchen lässt man besser etwas unterbelichtet?
Trägt zum Beispiel die Suche nach einem „Sourcecode“ für Ehrenfeld? Hilft die Unterscheidung von Programmierer und User, Fehlersuche und Compilierung? Patch und Fork? Inwiefern kann man Charakteristiken des Open Source als Programmiermethode übertragen auf Open Source als Stadtentwicklungsmethode? Ist der Prozess dann immer noch transparent, offen, modifizierbar?

Ergebnisse
(1)
Der Workshop entwickelt Open Source als städtische Entwicklungsstrategie und er wendet Open Source Strategien zur Organisation der Zusammenarbeit an. Außerdem könnte die Open Source Struktur der Ideenwand auch Anstöße für tatsächliche Änderungen in Ehrenfeld geben, dann wäre es auch eine Implementierungsstrategie.
(2) Open Source Projekte mit hoher Beteiligung sind meist zielgerichtet mit einer kurzen Feedbackschleife. Eine Vision existiert und der Weg dahin steht im Vordergrund. Der Weg lässt sich in einzelne Teilziele spalten, die von einem Beitragenden schnell erreichbar sind.
(3) In Open Source Prozessen erfahren Funktionen wie Dokumentation und Hilfestellung sowie die Fehlersuche eine viel höhere Anerkennung.
(4) Erster Zweck von Open Source ist es, das Verständnis für den ablaufenden Prozess zu erhöhen. Allein die Dokumentation, die das Verstehen der Funktionsweise möglich macht, kann geteilt werden und mündet in bessere Handlungsmöglichkeiten für alle damit Befassten. Open Source Planning fängt dann wohl mit dem Beschreiben an.

22:00 Uhr
Atmosphäre

Wand verstanden, Wand gefüllt. Naja, fast. Gerade wird der Beitrag mit der Nummer 000017 angebracht, Notebooks zusammengeklappt, Papier und Stifte weggeräumt. Die letzten Besucher nach Hause verabschiedet. Es fühlt sich langsam wie ein normaler Workshop an. Ist das ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Aktion
Tür abschließen.