1. Workshoptag

Samstag, 26. September
Spaziergänge, Fachgespräche und Geschichtenerzähler. Ehrenfeld entdecken und verstehen ist die heimliche Überschrift des Tages.

Video erim-giresunlu.de | musik: ogmusik.com

10.00 Uhr
Atmosphäre
Die alte Halle ist vorbereitet, die Sonne scheint. Ein überdimensionierter weißer Paravent in Form einer gefalteten Wand fasst die Workshopfläche im Innern. An einer Seite der Wand hängen 75 Fotoausschnitte, die andere Seite ist leer.
Aktion
Studierende, neugierige Planbesucher und Ehrenfelder treffen ein und wollen spazieren gehen. Quengelige Fragen: Kann ich mit Boris Sieverts, Paul Kremer, Jochen Scharf wandern?
Doch niemand kann sich sein vor gefasstes Wunschbild bestätigen lassen, wir verlosen die Teilnahme mithilfe der Bildergalerie. Die Besucher wählen ein Bild aus, dass sie neugierig macht und ordnen sich so den Spaziergängern zu. Interessant ist, welche Bilder übrig bleiben - was keiner sehen wollte: Architekturen aus den 00er und 90er Jahren, eine Kirche.
Mich lost es zu Herrn Kremer. Mit ihm und 20 Spaziergängern begebe ich mich auf die Spuren der Betriebe Ehrenfelds, für die bis vor wenigen Jahrzehnten 1000 Güterwaggons pro Tag gehalten und unzählige Beschäftigte gearbeitet haben. Es gibt viel zu lernen: bis in den 1840er nur 30 Einwohner auf dem Gebiet von Ehrenfeld, manche Betriebe sind eingegangen, weil die Bahn auf den Damm gelegt wurde. Die italienische Bevölkerung kam nicht in den 1950ern für die Chemieindustrie, sondern in den 1850ern für den Dombau nach Köln.
Wir kommen zurück und diskutieren mit den anderen Rundgängern das Gesehene: Dreifensterhäuser, alte Güterbahntrassen, bestiegene Mauern, Hinterhofwerkstätten, kleine Handwerker, 14jährige weibliche Manga-Musik-Fans sind im Gespräch: Ehrenfeld ist im Gespräch, vielfältig, widersprüchlich.

15.00 Uhr
Atmosphäre

Es wird amtlicher. Workshopteilnehmer und Neugierige versammeln sich im Halbkreis vor den Plänen und möchten mehr über die Aufgabe des Workshops und über Ehrenfeld erfahren. Die Aufgabe bekommt ein System mit Stempeln und A3 Blättern. Die Ideen können frei formuliert und frei kopiert werden. Was oft kopiert wird, gewinnt an ideellem Wert, wer kopiert und nicht beständig neu erfindet verhält sich im Sinne der Sache schlau.
Aktion
Der Blick auf Ehrenfeld wird noch einmal auf die Ereignisse gelenkt, die nicht sichtbar sind. Andreas von Wolff (stellv. Stadtplanungsamtleiter Köln) berichtet von den Planungen in Ehrenfeld, die heute diskutiert werden: Einkaufen auf dem Heliosgelände, neue Wohnungsbauten, Ratlosigkeit am Güterbahnhof. Er beschreibt, dass die Baunutzungsverordnung den Geist und die Energie des Stadtteils nicht aufnehmen kann. Ist Open Source ein Zugang?
Hier steht ein Wissender (von Wolff) 30 Unwissenden Gegenüber. In der anschließenden Diskussion wirken die engagierten Ideen der Bürger gut gemeint aber nicht umsetzbar (mehr Handwerker, bessere Geschäfte auf der Venloer Straße, weniger Kommerzialisierung). Ist Open Source eine Antwort für dieses Dilemma, für Beteiligung auf Augenhöhe, für die Auflösung von Expertenwissen? Es ist soweit: erste Ideen für Ehrenfeld finden ihren Weg auf die Wand.

20.00 Uhr
Atmosphäre

Leuchteimer, Liegewiese, Lagerfeuerstimmung mit vielen Kerzen. Die Geschichtenerzähler kommen! Die Installation von LHVH wird zur Bühne für den nächsten Open Source Akt.
Aktion
Fünf Geschichtenerzähler beschreiben ihr Ehrenfeld: Norbert Ollig, Thomas Walten, Eddy Cassidy, Martin Schmittseifer, Heribert Weegen. Bewohner, Unternehmer, Händler, Hausmeister, Musiker, Sozialarbeiter, Architekt, Designer.
Diese Geschichten sind authentisch, sie können nicht nacherzählt werden: Die Venloer Straße ist ein Ort der kulturellen Aushandlung, Ehrenfeld kann eine überzeugende Plattform für Millionenkredite sein, eine gute Idee aus Ehrenfeld trägt über die Grenzen von Ehrenfeld und Deutschland hinaus, der Klüngel ist weder lustig noch charmant, er macht ambitionierte Ehrenfelder traurig und wütend. Gibt es einen Sound in Ehrenfeld, hat Ehrenfeld ein Temperament, eine Geschwindigkeit, eine Farbe? Die Geschichtenerzähler sagen uni sono: Ehrenfeld ist zu bunt, um es in Ein-Klang zu bringen.

Der ideale Nährboden für Open Source?

Boris Sieverts Andreas von Wolff (Stadt Köln) Paul Kremer (Bürgerverein Ehrenfeld) Jochen Scharf